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Sie ist exakt beschrieben in der Urkunde, die am 21. Juni 1848, vor der offiziellen Einweihung, nach Fertigstellung des Neubaues in den Turmknopf gelegt wurde.

 

Ein noch erhaltenes Gemälde aus dem Jahre 1861 (Abb.rechts) gibt sehr detailgetreu die damalige Innenansicht der Kirche wieder. Durch Untersuchungen von Restauratoren konnten diese Details der Ausstattung verifiziert, rekonstruiert und ergänzt werden.

Die ersten Altäre und Altarbilder stammen von einem unbekannten jungen Berliner Künstler. Abgesehen von dem damals üblichen eher schlichten Baustil, lassen Bau und Innenausstattung erkennen, daß die katholische Gemeinde mit finanziellen Mitteln nicht gerade reich gesegnet war. Aus dieser Zeit sind lediglich die Kanzel, das Taufbecken und ein Teil der Kirchenbänke erhalten.


Bei der Konsekration am 21. November 1848, dem Fest Maria Gnaden, wurden die Reliquien zweier Märtyrer im Hochalter beigesetzt. Die Weihe nahm Weihbischof Daniel von Lattussek aus Breslau vor.
Die beiden Märtyrer sind der Heilige Felix und der Heilige Benignus. In einem Seitenaltar wurde die Reliquie der Heiligen Reparata beigesetzt

1892 erhielt der Kirchenausstatter C. Buhl aus Breslau auf der Grundlage einer Ausschreibung  den Zuschlag für die Ausschmückung der Kirche und für die Neuanschaffung von drei Altären. 1894 wurden die drei Stirnwände hinter den Altären und das gesamte Presbyterium reich verziert. Ein Jahr später war die Arbeit an den Altären beendet und die feierliche Konsekrierung durch den Weihbischof Hermann Gleich aus Breslau konnte stattfinden. Die alten Reliquien (St. Felix und St. Benignus) wurden in einen Seitenaltar umgesetzt. Dafür wurde ein Reliquiar eingelassen mit den Gebeinen der 11000 Jungfrauen unter Anführung der Heiligen Ursula und des Märtyrers St. Vinzenz. Einen guten Eindruck von diesem Zustand vermittelt eine historischen Postkarte aus dem Jahre 1895 in schwarz-weiß, die eine der Grundlagen der heutigen Restaurierung bildet.

1903 wurde die Festung Spandau aufgelassen. Die Zahl der Bevölkerung nahm sprunghaft zu. Die Marien-Kirche am Behnitz reichte für die katholische Gemeinde nicht mehr aus und am damaligen Askanierring (heute Flankenschanze) wurde für einen Neubau ein Grundstück erworben und die bestehende Pfarrkirche im Jahre 1910 an den Militärfiskus verkauft, der sie als Garnisonskirche weiterhin nutzte.

Sofort nach dem Kaufe wurde mit dem Umbau begonnen. Man ließ zwei neue Seiteneingänge anbringen, die später wieder geschlossen wurden (Abb.links). Der Kunstmaler Kottrup beschränkte sich auch hier darauf, die Chorwände und Altarräume reich auszumalen. Auch hiervon ist uns eine Postkarte erhalten geblieben (Abb.rechts). Die Weihe als Garnisonskirche fand am 8.Dezember 1912 statt. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Kaiserreiches, der teilweisen Auflösung des Heeres, fanden nur sehr wenige Militärgottesdienste statt. Diese wurden 1921 vollkommen eingestellt.

Um das katholische Leben nicht vollkommen zum Erliegen zu bringen schloss die kath. Gemeinde mit der Militärverwaltung eine Pachtvertrag, wonach die Kirche gegen eine jährliche Miete für zivile Zwecke weiterhin genutzt wurde.Erst mit dem Erstarken des Militärs im "Dritten Reich" wurde sie ab 1. Oktober 1937 bis zum Ende des 2. Weltkrieges wiederum Garnisonskirche mit eigenem Pfarrer.

Die Kirche St. Maria, Hilfe der Christen und auch die evgl. Kirche St. Nicolai wurden 1944 vollkommen zerstört. Der Luftdruck der Bomben zerstörte auch Fenster, Türen, Leuchter und zum Teil die Kirchenbänke. Trotzdem war sie gebrauchsfähig und wurde innerhalb kürzester Zeit wieder hergerichtet und diente wieder bis zum Jahre 1952 als kath. Pfarrkirche. Nach dem Kriege war sie alliierter Besitz und wurde pachtweise der kath. Kirche überlassen.

Im Jahre 1964 fand eine totale Restaurierung bzw. Sanierung statt. Leider hat man hierbei sämtliche noch vorhandenen Wandmalereien getilgt, die Fenster im Chor zugemauert, neuen Verputz aufgetragen und mit grüner Farbe gestrichen. Bilder hiervon sind in der alten Innenansicht zu sehen. Die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches verkaufte sie im Jahre 1995 an das Erzbistum Berlin. Genutzt wurde sie lediglich durch die wöchentliche kath. Bistumsmesse, von der freikirchlichen Josua-Gemeinde und der Kroatischen Gemeinde.

Am 1.Januar 2002 fand ein weiterer Besitzwechsel statt. Das Erzbistum verkaufte die Kirche an privat. Seither wurde sie im alten Stile wiederhergerichtet und saniert.

Helmut Kißner