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Im Mai 2002 erhielten wir, die Firma Berlin-Glas, vom Eigentümer der Kirche den Auftrag für den Entwurf und die Ausführung der neuen Fenster in St. Marien am Behnitz. Zu diesem frühen Zeitpunkt hatte sich der Eigentümer zu einer umfassenden Restaurierung des Kircheninnenraums, gestützt durch historische Dokumente, noch nicht entschlossen. Der Wunsch, die Wandmalereien wieder herzustellen und die Altäre restaurieren zu lassen, reifte erst Monate später im Laufe der Renovierung. Von den ursprünglichen Fenstern der Kirche war nach 2 Weltkriegen und verschiedenen Umbauten nichts mehr erhalten. Auf einer schwarz-weiß Postkarte, die uns zu Beginn unserer Arbeiten vorlag und der Reproduktion eines Ölgemäldes von 1861 war die ursprüngliche Gestaltung der Fenster im Detail kaum zu erkennen. Auch waren inzwischen die originalen gemauerten Fenster, die zweibahnig gestaltet waren mit Maßwerk im oberen Bereich, durch neue, moderne Metallrahmen mit Glashalteleisten in einer waagerechten Aufteilung ersetzt worden. In Zusammenarbeit mit dem Eigentümer, der Unteren Denkmalschutzbehörde Spandau sowie der Kunstbeauftragten der katholischen Kirche Berlin war unter den damaligen Voraussetzungen an eine Wiederherstellung des Originalzustandes der Fenster von vornherein nicht gedacht. Stattdessen beschloss man folgende Gestaltung:

Die jetzt eingebauten Metallrahmen werden auch für die neuen Fenster verwendet. Für alle Fenster werden neue Entwürfe erstellt, die sich an die Entstehungszeit der Kirche Mitte des 19. Jahrhunderts orientieren und historisierend ausgeführt sind. Als Motive werden in Anlehnung an die Namenspatronin der Kirche klassische Mariensymbole gewählt.

Jedes Fenster wird in Rechteckaufteilung gestaltet und farblich in Pastelltönen gehalten. Die Farben sind weiß, rose, hellgelb, hellgrün und hellblau. Die unteren großen Fenster im Hauptschiff werden zusätzlich durch einen 4-fachen Fries eingerahmt, der in leuchtendem Goldgelb, Königsblau, Blattgrün und Rostrot gehalten wird. Im Fries eingearbeitet finden sich historisierte Blatt- und Blütenornamente. Als Blüten werden handgeschleuderte echte Butzen in Rostrot verwendet, welche an Rosen, das Sinnbild Mariens, erinnern. An zentraler Stelle der Fenster wird jeweils ein Medaillon eingearbeitet, das ein christliches Symbol, ebenfalls überwiegend Mariensymbole, trägt. Diese Medaillons sind auch an den Fenstern der beiden vorhandenen alten Abbildungen zu erkennen. Sie sind für die Endstehungszeit typisch und finden sich in vielen Dorf- und Gemeindekirchen der Region wieder.

Die Fenster im einzelnen:

Chorfenster:

Im Chor wurden typische Marienszenen bildlich dargestellt.

Fenster nII:

Im rechten Chorfenster ist die Mutter Gottes mit dem Jesuskind zu sehen. Dieses Motiv steht für die Geburt der Erlösung. Maria ist mädchenhaft zart dargestellt, ihre Gewänder in den typischen Farben blau und rot. Das Jesuskind liegt als lieblicher Knabe auf dem Schoß Marias. Als Zeichen der Dreifaltigkeit zeigt er drei Finger der rechten Hand.




Fenster sII:

Das linke Chorfenster zeigt die Beweinung, die so genannte "Pieta". Sie ist das Motiv für die Aufopferung. Maria hält den Leichnam Christi auf ihrem Schoß. Ihre Gewänder sind in blau und rot gehalten. Die Komposition der Figuren drückt den Schmerz und die Trauer aus.

Große Fenster im Untergaden:

In den großen Fenstern werden die Themen der Chorfenster fortgesetzt, zur rechten Seite die Themen: "Geburt, Anfang", zur linken Seite die Themen: "Aufopferung, Tod"

Fenster nIII:

Der Stern steht für die Geburt Jesu, für die heilige Weihnacht (Stern von Bethlehem) und allgemein für "Anfang". Häufig wird auch Maria in alten Texten als Morgenstern bezeichnet, der dem Aufgang der Christussonne vorausgeht und sie hervorbringt.





Fenster nIV:

Die Ähren stellen die Fruchtbarkeit dar, auch sie sind ein typisches Mariensymbol.







Fenster nV:

Die Lilien bedeuten Reinheit, Unschuld und Jungfräulichkeit Mariens, sowie die reine Liebe des Herzens.







Fenster sIII:

Das Kreuz ist das zentrale christliche Symbol. Es steht für die Aufopferung Jesu, der am Kreuz gestorben ist und so alle Sünden der Welt auf sich genommen hat.






Fenster sIV:

Das Herz Mariens stellt Barmherzigkeit und Mitleid dar. Die Königskrone versinnbildlicht die Anrufungen, die Maria Königin nennen. Es heißt in der Litanei: Königin der Engel, der Patriarchen, der Propheten, Königin der Apostel, der Märtyrer, der Bekenner, der Jungfrauen, Königin aller Heiligen.





Fenster sV:

Die Rose ist die Versinnbildlichung Mariens schlechthin, bedeutet aber auch Schmerz, Aufopferung, sowie die göttliche Liebe (Rosenkranz). Die Königin im Blumenreich symbolisiert die Königin aller Heiligen, also Maria.







Die beiden großen Fenster hinter der Empore ( sVI und nVI ) sind rein ornamental, ohne Symbol gestaltet.

Die 12 Fenster im Obergaden ( SII – SVII, sowie NIII – NVII ), das Sakristeifenster, die Turmfenster und die kleinen Fenster der Frontseite (SVIII – SX, sowie NVIII – NX) haben nur eine Rechteckaufteilung.


Fensterrosen:

Fenster I

Für die Fensterrose über dem Chor wurde zunächst das Motiv der Taube im Strahlenkranz als Symbol für den Heiligen Geist verwendet und auch bereits eingebaut. Nachdem dann jedoch im Herbst 2002 mit einer weitaus umfassenderen Restaurierung der Kirche begonnen worden war als zunächst beabsichtigt, folgte ein zweiter denkmalpflegerischer Entscheidungsprozess. Dabei ging es um die Frage, ob man bei der Gestaltung der beiden Fensterrosen nicht die inzwischen vorliegenden historischen Materialien und kunstgeschichtlichen Erkenntnisse berücksichtigen sollte und gegebenenfalls die Fenster noch einmal ändern solle. In St. Marien am Behnitz waren nämlich, ganz in der Tradition von Karl Friedrich Schinkel und seinen Schülern, die beiden Fensterrosen über dem Chor und über dem Eingangsportal an der hinteren Stirnwand der Kirche ursprünglich in der Form der sog. "Schinkelsche Rosette" gestaltet worden: runde, blütenförmige Muster in kräftigen Farben, wie man sie noch heute in vielen vergleichbaren Kirchengebäuden dieser Zeit findet. Durch die inzwischen dazugekommene Erkenntnis, dass die Entwürfe zu St. Marien am Behnitz von August Soller ausgearbeitet worden sind, gewann die Kirche bauhistorisch an Bedeutung und es stellte sich die Frage einer völligen Neugestaltung der Fensterrosen als "Rosetten".

Nach Gesprächen mit dem Eigentümer und Denkmalpfleger entschied man sich jedoch gegen eine Neugestaltung der beiden zentralen Fensterrosen, damit die Einheit mit den anderen bereits neu gefertigten Fenstern nicht zerstört wird. Allerdings sollte in der Fensterrose über dem Altarraum das Motiv der Taube durch ein anderes christliches Symbol ersetzt werden, da durch die inzwischen erfolgte originalgetreue Ausmalung der Kirche direkt unter der Fensterrose ebenfalls eine Taube aufgemalt worden war. Es wäre zu einer ungewollten Motivwiederholung gekommen. Nach einem Vorschlag durch uns zeigt dieses Medaillon in der Fensterrose nun Kelch und Hostie.

Diese Motive stehen für die Aufopferung Jesu, der am Vorabend seiner Verhaftung das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern teilte und dabei den Kelch mit dem Wein symbolhaft als sein Blut bezeichnete, welches für uns hingegeben wird. Auf gleiche Weise nannte er das Brot seinen Leib, welcher für uns hingegeben wird. Zum anderen ist der Kelch auch häufig Sinnbild für Maria, die für das Wort und die Gnade Gottes offen war wie eine Schale. Diese Offenheit zeigte sie, wenn sie zum Engel sagte: "Ich bin eine Magd, mir geschehe nach deinem Wort."



Fenster OI

Die Fensterrose über dem Portal wurde rein ornamental gestaltet, sie wiederholt den Strahlenkranz des gegenüberliegenden Chorfensters.

Fenster oI

Das Oberlicht der Eingangstür wiederholt den Strahlenkranz der Fensterrosen.


Wir haben folgende Materialien verwendet:
Mundgeblasenes Echtantikglas
Mundgeblasene und handgeschleuderte echte Butzen
Glasschmelzfarben
8mm H Bleiprofile
8mm galvanisierter Flachstahl
Leinöl-Schlämmkreide-Verstreichkitt
Silikon transparent

Herstellung:
Das Herstellen von Bleiverglasungen und Glasmalereien ist eine uralte Kunstform und geht in ihren Anfängen bis ins frühe Mittelalter (9.Jhrdt.) zurück. Gefärbtes und bemaltes Glas wurde mit Bleiprofilen zu einem Bild zusammengefügt. Mögen auch die Hilfsmittel zum Glasschneiden, Farbe einbrennen, Löten usw. moderner geworden sein, in ihrer Grundform hat sich die Herstellungsweise bis heute nicht verändert.
Zunächst wurde nach den Entwürfen ein 1:1 Aufriss gezeichnet. Nach diesem Aufriss wurde das Glas zugeschnitten. In den Medaillons und im Fries wurde zusätzlich Glasmalerei auf die zugeschnittenen Gläser aufgetragen und im Glasbrennofen bei 620° eingebrannt.
Der Auftrag geschah zum einen durch traditionelle Pinseltechniken, zum anderen durch Siebdruck (bei den Blättern im Fries). Die einzelnen Glasteile wurden dann durch Bleiprofile miteinander verbunden, die Anschlussstellen mit Lötzinn verlötet und damit dauerhaft verbunden. Von der Rückseite wurden die Bleiverglasungen mit Verstreichkitt verkittet und so abgedichtet. Zur Stabilisierung wurden Stahlprofile senkrecht auf die Bleiverglasungen gelötet (sog. Windeisen). Die Metallrahmen zur Aufnahme der Bleiverglasungen wurden zuvor gesandstrahlt und feuerverzinkt. Der Einbau erfolgte mit Glashalteleisten und Messingschrauben, die Fenster wurden mit transparentem Silikon innen und außen abgedichtet. Die so entstandenen Fenster erfüllen den Kirchenraum mit strahlend farbigem Licht und bringen allen Kirchenbesuchern sicherlich viel Freude.

Christiane Mergner

Kirchengrundriß mit Anordnung und Bezeichnung der Fenster