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Die katholische Kirche in Spandau verdankt König Friedrich Wilhelm I., auch als "Soldatenkönig" bekannt, ihre Entstehung.

Da der König ein großes, stehendes Heer unterhielt, plante er, alle seine Waffen selbst fertigen zu lassen. Er beschloss daher, eine Gewehrfabrik in seinen Landen gründen zu lassen und tat dies in Potsdam und in Spandau. Sämtliche hierzu nötigen Gebäude wurden auf Kosten des Königs errichtet, jedoch stellte sich ein Mangel heraus: Es gab im Lande Brandenburg keine geeigneten Facharbeiter, um alle Waffen und Zubehör herzustellen.

Er sandte seinen Generalunternehmer Daum nach Luyk, das ist Lüttich in Belgien, um hier in den berühmtesten Waffenschmieden Europas, Leute anwerben zu lassen.

Der König erteilte in einem Dekret die Zusicherung, dass "erwehnten Leuten überdem alle Wille überall erzeiget, auch denen, die etwa Römisch-Katholischer Religion sind freies Exercitium jedesmahl verstattet werden soll."

Das half sehr und die angeworbenen Personen, etwa 200 an der Zahl inklusive ihrer Familien, verlangten nur einen Prediger in ihrer Sprache.

Die Antwort des Königs in einer "Resolutio" war folgende:

"pro den p. Daum, wie er die Luyker, so anhero ziehen wollen wegen des verlangten Predigers p. bescheiden soll."
Seiner Königlichen Majestät in Preußen ist vorgetragen worden, was Gottfried Adolf Daum von seiner Verrichtung zu Luyk ohne dato aber sub praesentatio den 1. hujus alleruntertänigst referiert. Und haben Sr. K. Majestät daraus mit meherem ersehen, welchergestalt die Leute, so zur Gewehr-fabrique anhero nach Potsdam und Spandau engagiert, unter anderem verlangen, daß ihnen ein Prediger, der die Sprache versteht und ihnen den Gottesdienst halte, bestellt und unterhalten werden möchte. Welches dann Seine Majestät auch allergnädigst agreiret, und hat Referent diesen Lezten solches bekannt zu machen, auch einen catholischen Prediger aldorten zu besprechen, der mit anhero ziehe, welchem er dann zugleich versichern kann, daß vor seiner Sustentation allhier gesorgt werden soll.  pp.
 
Desgl. nach Potsdam und Spandau nach Gelegenheit der Orte, Plätze zu Gärten und Wiesen, --- eine oder ein Paar Kühe halten.

Nicht brauen von Kesselbier.

Und hiernach hat vorerwähnter Daum diejenigen, die sich anhero zu reisen resolviren wollen, zu bescheiden, und sie überall allerunterthänigst zu achten.

Berlin, den 2ten September 1722
    L. S. gez. Fr.Wilhelm

Und so kamen, fast 300 Jahre nach der Reformation wieder Katholiken nach Brandenburg.

1723 entstand die erste sehr kleine Kirche auf dem "Gewehrplan" (Haselhorst, Spandau).

Leider sind uns hier sehr wenige Dokumente überliefert und wir wissen nur, dass es ein sehr kleiner einteiliger Holzbau war. Er kann außerdem nicht sehr stabil gebaut worden sein, wie verschiedene Quellen bestätigen. Der Auftrag des Königs zur Restaurierung derselben wurde am 3. Okt. 1735 erteilt.



Von dieser ersten katholischen Kirche in Spandau existieren heute noch die beiden barocken Altarfiguren der Heiligen St. Peter und St. Paul, nach welcher die Kirche damals auch benannt wurde.

Nach dem Bau der Kirche St. Marien am Behnitz sind sie Bestandteil derselben, erhielten Untersätze und wurden als Wandfiguren gebraucht.

Beide Figuren waren ursprünglich nur mit reinem Blattgold belegt und der hier gezeigte Farbanstrich wurde erst 1964 im Zuge der damaligen Renovierung angebracht.

Die erste urkundliche Erwähnung in einem alten Pfarrarchiv beläuft sich auf das Jahr 1725.

Beide Figuren sind inzwischen fachmännisch restauriert worden. Höhe der Figuren ca. 150 cm.



Durch das Decret des Königs und der nachfolgenden "Resolutio"  kam aus Lüttich der Dominikanerpater Cottar im Jahre 1723 nach Spandau.

Dieser Pater Cottar reiste (Datum unbekannt) wieder zurück nach Lüttich und die Seelsorge wurde vom Dominikanerkloster in Halberstadt geregelt

Folgende Nachfolger gab es:
1723 - 1759 Pater Bernardius Hunckemüller
1759 - 1760 Pater Engelbert Giesecke
1760 - 1761 Pater Meinradus Meichlbeck
1761 - 1762 Pater Ludovicus Kurzkirchen
1762 - 1767 Pater Norbertus Bockell
1767 - 1775 Pater Franziskus Biesenbach
1775 - 1825 Pater Josephus Groß

Hiermit endete die  Tätigkeit der Dominikaner, die ganz Brandenburg und Pommern seelsorgerisch betreuten.
Denn durch den Erwerb von Schlesien, Westpreußen und Posen musste damals eine andere Regelung gefunden werden und mit der päpstlichen Bulle DE SALUTE ANIMARUM  von 1821 wurde die Delegatur Berlin gegründet  und die Versorgung mit Geistlichen von hier aus betrieben und gewährleistet. Erzbistum war damals Breslau.



Mit Decret vom 18. Januar 1742 verfügte König Friedrich II. einen Neubau einer katholischen Kirche auf dem Gewehrplan und Abriß der baufälligen alten Kirche.

Die Umsetzung allerdings war nicht so einfach. Der Grund mag in den seltsamen Eigentumsverhältnissen gelegen haben. Grund und Boden gehörten zwar dem Staate, für die Instandhaltung sämtlicher Gebäude und Fabriken waren die Firmen Splitgerber, Daum und Schickler zuständig. So kam es immer wieder nur zu den allernotwendigsten Reparaturen, wenn den Betern das Dach auf den Kopf zu fallen drohte.

Erst im Jahre 1767 wurde der Neubau vollendet, der allerdings mehr einem Bethause glich mit seinem sehr schlichten Äußeren. Hier liegen uns zwei kleine Zeichnungen vor.

Nach unserer heutigen Sprachweise müssen wir sagen, dass doch sehr "gepfuscht" worden sein muss, denn schon 1784, also nur 17 Jahre später klagte der Dominikanerpater Groß wiederum die Baufälligkeit der Kirche und schrieb an den König, dass diese "jetzo einer Wüsteney vielmehr als einem Gotteshause ähnlich sei." Hierauf muss wohl etwas geschehen sein, denn die Klagen verstummten und eine gründliche Reparatur fand im Jahre 1803 statt.



Folgende fünf sehr tolerante Preußenkönige waren beherrschend für die Wiedereinführung des Katholizismus in Brandenburg: (für Vollbild bitte auf Bild klicken)



Soweit also die Vorgeschichte der heutigen Kirche St. Marien.