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Die Abschrift der Urkunde wurde im Kirchenarchiv entdeckt. Da sie in der alten Sütterlin-Handschrift gehalten war, danken wir an dieser Stelle Frau Michaela van den Driesch, die eine Transkription (lautgetreue Übertragung eines Textes  - in diesem Falle wurden sämtliche vorhandenen grammatikalischen und orthographischen Fehler der Abschrift übernommen - ) vorgenommen hat.

Diese Transkription trägt den notariellen Vermerk:

Die wörtliche Übereinstimmung vorstehender Fotokopie mit der mir vorliegenden Abschrift der Urkunde, welche am 21.06.1848 in den Turmknopf gelegt worden ist, beglaubige ich hiermit.

Berlin, den 21.Februar 2003

Notar......(Siegel)

Abschrift der Urkunde, welche am 21 ten Juni 1848 in den Turmknopf gelegt worden ist.

Blatt 167. (Vorderseite)

Nachdem am Allerheiligentage 1539 der Kurfürst Joachim II. hierorts in der jetzigen Protest. Kirche, nach dem hl Nikolaus genannt, einen prachtvollen gothischen Tempel, öffentlich zu Luthers Lehre sich bekannt, und aus den Händen des Bischof von Brandenburg, Matthias v. Jagow, das Abendmahl unter beiden Gestalten genommen hatte: hörte, wie überhaupt in der Mark, so auch zu Spandau, Kathol. Christenthum und Kath. Gottesdienste gänzlich auf, bis endlich im Jahre 1722 der König Friedrich Wilhelm I. zu Potsdam u. Spandau Gewehrfabriken gründen und zu diesem Behufe Kathol. Fabrikanten aus Lüttich hirherberufen ließ, diesem Umstande hat das hiesige kathol. Kirchenwesen nach der Glaubenstrennung des 16 t Jahrhunderts seinen Ursprung wieder zu verdanken, da die genannten Gewehrfabrikanten bei ihrer Einwanderung die Bedingung stellten: daß ihnen eine Kath. Kirche gebaut, ein Kathol. Geistlicher dabei angestellt u. für dessen Sustentation gesorgt würde.

Aus fortificatorischen Gründen wurde aber die Gewehrfabrik zu Spandau, nicht so wie zu Potsdam innerhalb sondern außerhalb der Stadt, über 1/4 Stunde von derselben entfernt, angelegt und in deren Mitte ein armseliges Kirchlein gebaut, das schon 1765 entweder niedergebrannt ist oder so baufällig gewesen sein muß , daß eine zweite die zur Zeit noch dastehende Kirche, gebaut werden mußte, - bis zur Einweihung der neuen, die jetzige Pfarrkirche der kath. Gemeinde. Es wäre vergebliche Mühe, eine genügende Schilderung von dem über alle Beschreibung traurigen Zustande dieses Lokals zu machen, das wir bis jetzt unsere Pfarrkirche haben nennen müssen, und das überdieß schon seit langer Zeit viel zu klein ist, um die Gemeinde in sich aufnehmen zu können, das es kaum 200 Menschen faßt. Wer dieses von Fachwerk aufgeführte Gebäude, ohne Turm u. ohne Glocken, von außen eines Blickes würdigt, glaubt eher einen der Reparatur sehr bedürftigen Holzschuppen oder eine dergleichen Wagenremise vor sich zu haben, als die Wohnung Gottes, des Königs aller Könige, u. wer erst das Innere der Kirche sieht , der kann, sei er wer er wolle, sich des größten Mitleids nicht erwehren. Im Innern sind fast eben so viele nothwendig gewordene Stützen angebracht, als Bänke sich darin befinden, u. nur mit Angst und Besorgniß konnten wir bisher, zumal in der letzten Zeit u. namentlich an Hohen Festtagen wo der innere Raum fast zum Bersten gefüllt ist u. wo außerdem noch ein nicht unbedeutender Theil der Gemeinde aus Mangel an Raum vor der Kirchthüre stehen muß, in dieser Kirche den Gottesdienst abhalten. Der Neubau der Kirche war daher dringendes Bedürfniß u. ist deshalb auch zu wiederholten Malen, besonders seit dem Jahre 1833, beantragt worden.

Im Laufe der Zeit haben sich aber die Verhältnisse der Gemeinde dergestalt geändert, daß der Neubau, wäre er auf der Stelle, wo die alte Kirche steht, aufgeführt werden, ganz zweckwidrig gewesen sein würde. Die ursprünglich ganz Kathol. Gemeinde der Gewehrfabrik nämlich, die, wie versichert wird, bei ihrer Einwanderung aus c.200 Seelen, die Kinder mitgerechnet, bestanden haben soll, ist theils durch Zurückwanderung in ihr Vaterland, theils durch Absterben,

theils

Blatt 167. (Rückseite)

theils durch Uebergang der Nachkommen zu andren Gewerkszweigen, vorzüglich aber durch die verderblichen Wirkungen der gemischten Ehen in ihrer Zahl so geschmolzen, daß z. Z. auf der Gewehrfabrik mit Einschluß der Kinder, nicht mehr als 15 Kathol. Seelen zu finden sind. Dagegen hat sich nach und nach in der Stadt eine Civilgemeinde gebildet, die z. Z. schon c. 200 Seelen umfaßt u. fortwährend im Zunehmen begriffen ist. Außer dieser Civilgemeinde befindet sich in der Stadt eine bedeutende Kathol. Militärgemeinde, durchschnittlich aus c. 600 bis 700 Köpfen, zumeist bestehend aus Soldaten, die aus Westphalen, den Rheinprovinzen, Schlesien, Posen u. Preußen zur Garde hirher ausgehoben worden sind.

Mit Rücksicht auf das hier erwähnte veränderte Verhältniß der Gemeinde u. aus mehreren andern von selbst einleuchtenden Gründen wurde daher mit Genehmigung der Hohen geistl. Behörde die Verlegung der Kirche von der Gewehrfabrik nach der Stadt im Jahre 1841 aufs Neue u. um so mehr beantragt, als die Existenz einer Kath. Civil- u. Militär-Gemeinde in der Stadt, folglich auch die Nothwendigkeit einer kath. Kirche und Pfarrwohnung in derselben nicht nur nicht geleugnet werden kann, sondern als auch bereits in der Bulle de Salute animarum von einer Pfarrthei in Spandau die Rede ist.

Gegen diese Verlegung wurde von Seiten des Magistrats u. der protest. Ortsgeistlichkeit auf das Heftigste protestiert aus Gründen, die uns bis Heute noch unbekannt geblieben, die jedenfalls aber aus einer gänzlichen Verkennung der kath. Kirche und ihrer Lehren hervorgegangen sind.

Damit nun aber bei dem hier herrschenden Mangel an Bauplätzen überhaupt, das ganze Project der Verlegung an dem Mangel eines passenden Grundstücks nicht etwa scheitere, mußte bei Zeiten auf Erwerbung eines geeigneten Bauplatzes Bedacht genommen werden, - eine Maßregel, ohne die, wie sich später herausgestellt hat, wir schwerlich zum Bau der Kirche innerhalb der Stadt gekommen sein würden. Zu Ende des Jahres 1841 wurde mit gänzlich erborgtem Gelde, das übrigens auch nur mit großer Mühe aufgetrieben werden konnte, das auf dem Behnitz hieselbst sub. No. 6, im Hypothekenbuch Vol. VIII. fol. 25 verzeichnete, vordem Stienauersche Grundstück auf den Namen des Kirchenvorstehers A. Gerspacher für c. 3000 rt. angekauft, um es zu seiner Zeit zum Bauplatze für die neuzuerbauende Kirche den königl. Hohen Behörden anbieten zu können.

Mit dem größten Danke müssen wir anerkennen, daß sowohl die Kgl. Regierung zu Potsdam, nachdem sie sich nur einmal gründlich überzeugt hatte, wie eine abermalige Reparatur des alten Kirchenlokales rein unmöglich sei, als auch das hohe Ministerium der geistlichen Angelegenheiten den Neubau der Kirche auf das Angelegentlichste zu fördern strebten, und wenn auch gleichwohl die Erledigung dieser Bausache mit so vielen Schwierigkeiten zu Kämpfen hatte u. sich Jahre lang hinzog: so lag die Schuld nicht an den Königl. Civilbehörden, sondern zumeist an dem Königl. Kriegs-Ministerium, das nun einmal dieser ganzen Bausache nicht geneigt zu sein schien. Denn abgesehen davon, daß die betreffenden Bauakten vom Jahre 1842 bis nach der Mitte des Jahres 1845 in dem Bureau des Kriegs-Ministeriums zurückbehalten worden

waren,

Blatt 169. (Vorderseite)

waren, und auch davon noch abgesehen, daß von Seiten des Allg. Kriegs-Departements im Mai des Jahres 1843 die hiesige Kögl. Kommandantur aufgefordert wurde, zu berichten ob und wie die Kath. Civilgemeinde Spandaus eine Berechtigung auf Kirchen- und Pfarrgebäude erworben habe: so weigerte sich dasselbe sogar, als im August oder September des Jahres 1845 auf dringende Intervention des Fürstbischofs von Breslau, Melchior von Diepenbrook, der Minister der geistl. Angelegenheiten die Herausgabe der Akte verlangte, dieselben zu extradiren und zwar aus dem Grunde, weil jetzt nicht rathsam sei, in der spandauer Kirchbausache vorzuschreiten. "Dem Vernehmen nach habe sich in Spandau ein Dissidenten-Verein gebildet und man möge erst abwarten, ob nicht der Abfall von der kath. Gemeinde noch größer werde, so daß der Bau der Kirche unnöthig sei." Als dem ungeachtet der geistliche Minister auf der Herausgabe der Akten beharrte, ja als dieselben bereits Sr. Majestät dem Könige vorlagen, wußte das Kriegs-Ministerium noch eine Allerh. Kabinets-Order zu bewirken, nach welcher die allerh. Entscheidung von der Beantwortung der Frage abhängen sollte: a) wie stark ist gegenwärtig die kath. Civilgemeinde zu Spandau ?, b) wie stark die kath. Militairgemeinde u. c) wie viele von einer jeden Gemeinde haben sich den Dissidenten angeschlossen, evtl. wieviele beabsichtigen sich vielleicht noch anzuschließen ? – Diese Kabinetts-Ordre, an die beiden Ministerien des Kriegs- und der geistl. Angelegenheiten gerichtet, wurden von beiden Ministerien besonders beantwortet, u. so gelangten zwei sich gänzlich widersprechende Berichte an Se. Majestät den König: der Bericht des Kriegs-Ministeriums sich stützend auf innige, der kathol. Gemeinde nicht günstige Angaben des hiesigen Magistrats u. der Kommandantur, und der Bericht des geistlichen Ministers, sich stützend auf die mit den schlagendsten Beweisen versehenen, auf der strengsten Wahrheit beruhenden, Angaben des hiesigen kathol. Pfarramtes.

Der Erfolg war die Allerh. Kabinetsordre vom 21 ten November des Jahres 1845., nach welcher Se. Majestät zu bestimmen geruhten, daß mit dem Bau einer neuen kathol. Kirche zu Spandau vorgeschritten, dieselbe auf dem zu diesem Behufe aquirierten innerhalb der Stadt gelegenen, vormals Stienauer ´schen Grundstück erbaut und auf 600 Theilnehmer am Gottesdienste eingerichtet werden solle. Allerhöchst dieselben haben zufolge derselben Ordre zu den Kosten dieses Baues einen Zuschuß von 12, 950 Thalern aus dem Hauptextraordinarium der General-Staats-Kasse zu bewilligen, auch zu gestatten geruhet, daß zur Deckung der Mehrkosten, soweit dieselben die Mittel der Civilgemeinde übersteigen, eine allg. Landeskollekte unter den Katholiken abgehalten werde. Alles jedoch unter der Voraussetzung, daß die kath. Civilgemeinde künftig zur Unterhaltung der Kirche nach Kräften beitrage."

Am 9 t Februar 1846 war die Gemeinde von dem Kgl. Landrath des Osthavell-Kreises in dem hiesigen Rath-Haussaale versammelt worden, um zu erklären, ob die Kirche massiv oder in Fachwerk gebaut werden solle.

Einstimmig

Blatt 169. (Rückseite)

Einstimmig wählte die Gemeinde den Massivbau und erklärte, daß sie bereit sei, soweit es in ihren Kräften stehe, diejenigen Kosten, welche neben der allerhöchst bewilligten Bauhilfe und dem Ertrage der Landeskollekte zur Bestreitung des Massivbaues erforderlich seien, aufzubringen und werde deshalb von jetzt ab bis zum Schluße des Jahres 1847 jedes Gemeindeglied einen bestimmten monatl. Beitrag leisten. Dieser Beitrag belief sich in summa von Civil- und Militär-Gemeinde mit Einschluß einiger außerordentl. Gaben auf beinahe 500 rt.

In Folge dieses Gemeindebeschlusses wurde nun zwar von Seiten des hoh. geistl. Ministeriums der Massivbau genehmigt, als aber der im Jahre 1842 vom damaligen Bauinspektor Herrn Butzke gezeichnete Massivbauentwurf der Königl. –Ober-Bau-Deputation zur Genehmigung vorgelegt wurde, wurde derselbe, weil nicht im kirchlichen Stile gehalten, verworfen. Der geheime Ober- Baurath Soller zeichnete hierauf mit der dankenswerthesten Bereitwilligkeit und aus ganz besonderem Wohlwollen einen neuen Entwurf, denselben, nach welchem auch dieser Bau ist ausgeführt worden; indessen hatte doch dieser Umstand u. die anderweilige Feststellung des Kostenanschlages nach den neuen Entwurfe den thätigen Angriff des Baues um ein ganzes Jahr verzögert.

Nachdem endlich unter dem 12. April 1847 mit Genehmigung der Kgl. Regierung das zum Bauplatz bestimmte Grund-stück für die hiesige römisch. kathol. Civilgemeinde durch gerichtl. Kaufcontract erworben und unter dem 1 t Mai 1847 durch eine anderweilige allerh. Kabinetsordre der vom Geh. Rath Soller gezeichnete Massivbauentwurf für die neue Kirche mit der Maßgabe genehmigt worden war: daß auf den Ecken der Vorderfront die in der Zeichnung aufgetragenen Thürmchen in Zinkguß ausgeführt würden, indem Allerhöchstdieselben die dadurch erwachsenden auf 550 rt berechneten Mehrkosten gleichfalls auf des Hauptextraordinarium der Generalstaats Kasse anzuweisen geruhten; wurde nun der Bau selbst in den ersten Tagen des Monats Juli und zwar zunächst mit dem Abbruch des auf dem Bauplatze an der Straße stehenden Wohngebäudes thatsächlich begonnen, und obgleich durchgängig 16 bis 17 Fuß tief gegraben werden mußte, ehe fester Grund zu finden war, so erreichten doch die Fundamentmauern am 8. September beinahe die Oberfläche der Erde.

An diesem Tage, als am Feste Mariä Geburt, wird nach Vorschrift des Rituals der Grundstein benedicirt und gelegt unter Assistenz des Kaplans Wawreczko aus Berlin. /: Er liegt am Eingang des Presbyteriums unter dem linken Eckpfeiler, auf welchem die Kanzel angebracht werden wird. In denselben ist eine c. 1/2 Centner schwere Bleiplatte gelegt, auf die nachstehende Worte eingraviert sind:

Dieser Stein wurde ad maj. D. gl. et B. M. V. H. am 8 ten September 1847 als Grundstein zu dieser von Se. Majestät dem Koenige Friedrich Wilhelm IV. erbetenen Kirche im Auftrage des Fürstbischofs von Breslau, Melchior von Diepenbrock, von dem dermaligen Ortspfarrer Franz Teuber gesegnet und gelegt in Gegenwart des den Bau ausführenden Konigl. Bauinspectors Manger, des Maurermeisters Ribbe und der Kirchenvorsteher A. Gerspacher und C. Bechmann. Sancta Maria, ora pro nobis ! :/

Bis

Blatt 171. (Vorderseite)

Bis heute, den 21 t Juni 1848, an welchem Tage das Kreuz auf dem eben vollendeten Thurm erhoben wird, ist der Rohbau der Kirche unter Gottes allmächtigen Beistande bei der höchst weisen und umsichtigen Leitung des Kgl. Bezirks-Bau-Inspektors Herrn Manger unter der besondern Beaufsichtigung des Kgl. Bau-Conducteurs Herrn Blumenthal glücklich u. ohne alle Unglücksfälle vollendet worden. Wir hoffen aber auch zu Gott, dass Er uns diesen Bau , den wir zu Seiner größeren Verherrlichung u. zur Ehre seiner jungfräulichen Mutter begonnen haben, bis zum October dieses Jahres auch werde zu Ende führen lassen, obgleich die Zeit, in welcher wir dieses schreiben, eine im höchsten Grade unruhige und aufgeregte ist, u. sowol in religiöser wie politischer Beziehung so gewaltigen Zuckungen unterliegt, dass man noch nicht erkennen kann, ob ihre allernächste Zukunft Gutes oder Böses zu Tage fördern würde. Denn noch ist der Kampf, der seit dem 24. Februar dies. J. Mit dem Sturze Louis Philipp´s von Frankreich aus über Europa sich verbreitet, u. der auch die schrecklichen Tage vom 18 u. 19 Maerz in Berlin zunächst hervorgerufen hat, nicht durchgekämpft. Aller Handel stockt, das Vertrauen ist gänzlich erschüttert; es ist große Geldnoth. Seit dem 20 t Mai haben sich die aus indirekten Urwahlen hervorgegangenen Deputirten in Frankfurt a Main zur deutschen Nationalversammlung u. eben so andere auf gleiche Weise gewählte Abgeordnete in Berlin zur preuß. Constituirenden Reichsversammlung vereinigt, um neue Verfassungen für Deutschland u Preußen zu begründen und die Grundgesetze festzustellen. Quod Deus bene vertat ! –

Zum Schlusse fügen wir die Namen der Meister bei, welche diesen Bau bis jetzt zur Zufriedenheit geführt, u. so Gott will, noch weiter führen werden. Ihre Namen sind:

der Maurermeister Hr. Ribbe, der für Material u. Arbeit c. 9000 rt. erhält;

der Zimmermstr. Hr. Brettschneider, der für Material u. Arbeit die contractl. Summe v. c. 1572 rt. bekomt;

der Tischlermstr. Bernhard, der die Tischlerarbeiten für 516 rt. 1 sgr. 10 ct. übernommen hat,

der Schifferdeckmstr. Klein, für dessen Arbeit u. Lieferung der nöthigen Materialien den Kostenbetrag von 669 rt. 8 sgr 3 ct. festgestellt ist;

der Schlossermstr. Louis Wenzel, der die betreffenden Arbeiten mit Ausnahme des Glockenstuhls u. des Blitzableiters für den Kostenbetrag von 410 rt. 8 sgr. 2ct. überkommen hat;

die Glaserarbeiten hat der Glasermstr. Wilhelm Knackfuhs für 236 rt. 17 sgr. übernommen;

der Klenptnermstr. Feuerböther verfertigt die Klemptnerarbeiten für 157 rt. 26 sgr. 8 ct.

Sämtliche Meister sind von hier.

Die eisernen Fenster, so wie die gusseisernen Säulen sind aus der Eisengießerei des Hrn. Kommerzienrath Baller u. werden c. 660 rt. kosten.

Die Orgel verfertigen die Herren Diense u. Lange in Berlin für die Anschlagsumme von 6.700 rt.

Die Glocken hat der Glockengießer Hr. Rubon in Berlin für den Preis von 298 rt. gegossen.

Das Bild, das auf den Hochaltar kommen soll, darstellend die Mutter Gottes mit dem Kinde, ist von einem

jungen

Blatt 171. (Rückseite)

Jungen Maler, Namens Renné in Berlin für den Preis von 157 rt. gemalt worden.

Der ganze Bau wird, die Kaufsumme für das Baugrundstück nicht mitgerechnet, c. 16000-17 000 rt. kosten. Zur Deckung dieser Summe sind außer den oben genannten allerh. Bewilligten Baufond durch die allg. Landeskollekte beinahe 5000 rt. eingekommen.

Die bisherigen Pfarrer der hiesigen Gemeinde waren:

Bernhardinus Hunkemüller von 1723 – 1759;

Engelbertus Giesecke am Ende des Jahres 1759; der bald wieder ins Kloster nach Halberstadt zurückgekehrt zu sein scheint;

Meinradus Meichlbek 1760; der gleichfalls nur kurze Zeit hier fungirte;

Ludovicus Härzkirchen (?) von 1760 – Ende 1761;

Norbertus Bockell von 1762 – 1767;

Franz Biesenbach von 1768 – 1775;

Franz Groß von 1775 – 1825. Bis hirher sämtlich aus dem Dominikaner-Orden.

Franz Schaar aus Schlesien von 1825 – Ende 1832;

Joseph Jünger, gebürtig aus Potsdam von 1833 – bis Ende September 1840;

Franz Xav. Teuber, geb. 1811 zu Wahlstadt in Schlesien, vom Beginn des Jahres 1844 an.

Die gegenwärtigen Kirchenvorsteher sind Herr Aug. Gerspacher, Handschuhmachermeister u. interim. Küster und Conrad Bechmann Braueigen. Beide sind zugleich in Gemeinschaft mit dem Gastwirth Hrn. Klemann Schulvorsteher seit dem 7 ten Marz dieses Jahres 1848.

Denn, was einst in späterer Zeit kaum glaublich erscheinen wird, erst in diesem Jahre, wo faktisch die kath. Gemeinde bereits 125 Jahre hirselbst besteht, ist es möglich geworden, hierorts eine kath. Schule zu errichten. Alle bisherigen Anträge bei der Kgl. Regierung um Errichtung einer kath. Schule und um Anstellung eines kathol. Lehrers sind jederzeit aus Mangel an Fonds abgeschlagen worden; der Gemeinde aber war die Errichtung u. Erhaltung der Schule ganz u. gar unmöglich. Die schulpflichtigen Kinder der Gemeinde waren daher bis dahin wegen Mangel einer kath. Schule genöthigt, die protest. Ortsschule zu besuchen. Zwar gab ihnen der Pfarrer wöchentlich an 2 Tagen u. zwar an den Nachmittagen, wo keine Schule gehalten wurde, Religionsunterricht in seiner Wohnung, aber auch mit aller Mühe und Aufopferung konnte es ihm aus leicht begreiflichen doch nie und nimmermehr gelingen, die seiner Seelsorge anvertraute Jugend zu wahrhaft kathol. Geisten heranzubilden, so lange sie die protest. Schulen noch besuchen musste, zumal die meisten Eltern wegen der großen Entfernung der Pfarrerwohnung von der Gemeinde sich dazu nicht verstehen wollten, ihre Kinder von dem 10ten Jahre in den Religionsunterricht zu schicken. Und wie viele, ach wie viele sind in Ermangelung einer kath. Schule für die Kirche ganz verloren gegangen ! – Sollte

es

Blatt 173. (Vorderseite)

es darum besser werden, so müsste vor Allem für die Errichtung einer kath. Schule u. für Anstellung eines Lehrers Sorge getragen werden. Um nun diesem schreienden Bedürfnisse, abzuhelfen, wandte sich der gegenwärtige Pfarrer in der Mitte des Jahres 1844 zum ersten Male in inländischen religiösen Zeitschriften bittend u. flehend an die kath. Glaubensbrüder in der Nähe u. Ferne, auf Gott vertrauend, dass Er ihm öffnen werde ihre Herzen. Und Gott sei Dank ! sein Bitten ist nicht fruchtlos verhallt. Es kamen milde Gaben aus allen Gegenden des preuß. Staates. Namentlich haben die Katholiken Schlesiens und eine große Anzahl Mitglieder der benachbarten Berliner Gemeinde durch Errichtung der kath. Schule zu Spandau sich ein ruhmvolles Denkmal gesetzt. Das Senfkörnlein ist bis zum Ende des Jahres 1847 unter Gottes sichtbaren Beistande so herangewachsen, dass von den kleinen seit Jahren gesammelten milden Gaben (mit Einschluß eines am 8 August 1845 durch Hrn. Propst Brinkmann in Berlin vom Lyoner Missionsvereine erhaltenen Beitrags von 2500 rt / nicht nur das auf dem Hohensteinweg No 1. hierselbst belegene, zum Schulhause für 1200 rt (ohne die Gerichtskosten) angekaufte Haus davon bezahlt werden konnte, sondern daß auch nach der nöthigen Einrichtung des Schullokals und der Lehrerwohnung ein Kapital von 4 500 rt zur Dotation des Lehrers hypothekarisch ausgeliehen werden konnte. 2000 rt stehen nämlich aus der im Havelstrome bei Spandau liegenden Insel, Valentinswerder, zur ersten Hypothek 4 1/2 %, und 2500 rt auf dem zu Charlottenburg in der Berliner Straße gelegenem, im Charlottenburger Hypothekenbuche Vol. XII. No. 689 pg. 6598 verzeichneten, dem Maurerpolier Pahl gehörigen Grundstück, ebenfalls zur ersten (?) Stelle zu 4 1/2 % gerichtlich eingetragen.

Nachdem nun in besagter Weise die Unterhaltung der Schule hinlänglich gesichert war, so beantragte der provisorisch zusammengetretene Schulvorstand unter dem 4 t October 1847 bei der kgl. Regierung zu Potsdam die Genehmigung zur Errichtung einer öffentl. kathol. Pfarrschule. Durch die Schuld des hiesigen Magistrats u. der städtischen Schulkommission, welche in dieser Angelegenheit Bericht zu erstatten aufgefordert worden war, verzögerte sich die Sache noch beinahe um ein 1/2 Jahr. Nachdem nun endlich am 7. Maerz 1848 die Genehmigung zur Errichtung der beantragten Schule ertheilt u. unter dem 20t Maerz dess. Jahres die Anstellung des von dem Kath. Schulvorstande vorcirten Lehrers, (des ersten kathol. Lehrers seit der Kirchentrennung des 16ten Jahrdts,) Herrn August Meiberg , (geb. 1824 zu Bockau in Schlesien) genehmigt worden: war die Eröffnung der Schule auf den 4ten Mai angesetzt worden. Ueber diese Eröffnungsfeierlichkeit legen wir einen im Schles. Kirchenblatte veröffentlichten Bericht bei und schließen mit dem Wunsche:

Gott gebe der Kirche und der Schule kräftiges Wachsthum und Gedeihen. Möge das Haus Gottes immer mehr und mehr befördert in der Gemeinde u. um dieselbe her, u. möge man festhalten allezeit an dem unerschütterliche Fundamente, das uns gelegt ist in Jesus Christus u. nie u. nimmermehr weichen von dem Felsen, auf den der Herr seine Kirche gebaut. Gelobt sei Jesus Christus in alle Ewigkeit. Amen. Spandau den 21 Juni 1848. Der Kathol. Kirchenvorstand

(L. S.) Teuber. A. Gerspacher. C. Bechmann.